An einem Sonntagabend, irgendwo in einer deutschen Großstadt, sitzt eine Frau am Küchentisch und blättert durch einen Stapel Selbsthilfebücher. Auf fast jedem Cover steht das Wort Glück. Sie fragt sich, ob es tatsächlich eine Formel dafür gibt – oder ob das alles nur gut klingt. Die Frage ist berechtigt. Und die Psychologie hat darauf eine differenziertere Antwort, als man vermuten würde.
Was Glück in der Forschung bedeutet
Bevor man über Modelle spricht, lohnt sich ein Schritt zurück. In der wissenschaftlichen Psychologie wird Glück selten als einzelnes Gefühl behandelt. Stattdessen spricht man von subjektivem Wohlbefinden – einem Konstrukt, das der Psychologe Ed Diener in mehrere Dimensionen zerlegte: eine kognitive Bewertung der eigenen Lebenszufriedenheit, die Häufigkeit positiver Emotionen und die relative Abwesenheit negativer Affekte. Schon diese Dreiteilung zeigt, dass Glück kein Schalter ist, den man umlegt. Es ist eher ein Zusammenspiel aus dem, was wir fühlen, und dem, was wir über unser Leben denken.
Noch tiefer reicht die Unterscheidung, die bereits bei Aristoteles angelegt war: hedonisches Glück als Summe angenehmer Erlebnisse einerseits, eudaimonisches Glück als Erfahrung von Sinn, Wachstum und Selbstverwirklichung andererseits. Richard Ryan und Edward Deci argumentierten in ihrem vielzitierten Review von 2001, dass beide Traditionen unterschiedliche, aber gleichermaßen wichtige Aspekte menschlichen Gedeihens beschreiben. Ein gelungenes Leben braucht beides – den genussvollen Moment und die tiefere Bedeutung.
Seligmans fünf Dimensionen
Genau an dieser Schnittstelle setzt das PERMA-Modell an, das Martin Seligman 2011 in seinem Buch *Flourish* vorstellte. Seligman, der als Begründer der Positiven Psychologie gilt, war mit seiner früheren Definition von Glück als bloßer Lebenszufriedenheit unzufrieden geworden. Wohlbefinden, so seine Überlegung, lässt sich nicht auf eine einzige Zahl reduzieren. Also entwarf er ein Modell mit fünf Säulen, die jeweils eigenständig messbar sind und zusammen das beschreiben, was er als „Flourishing" bezeichnet – ein Aufblühen im umfassenden Sinne.
Die fünf Buchstaben stehen für Positive Emotion, also das Erleben von Freude, Dankbarkeit und Hoffnung. Engagement beschreibt jenen Zustand tiefer Versunkenheit, den Mihály Csíkszentmihályi als Flow bekannt machte – Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint, weil Fähigkeit und Herausforderung im Gleichgewicht sind. Relationships meint die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen, ein Faktor, dessen Bedeutung die Harvard Study of Adult Development über fast acht Jahrzehnte hinweg eindrücklich dokumentiert hat. Meaning bezieht sich auf das Gefühl, Teil von etwas zu sein, das über die eigene Person hinausweist. Und Accomplishment schließlich erfasst das Erleben von Wirksamkeit und Zielerreichung – nicht im Sinne äußeren Erfolgs, sondern als innere Erfahrung von Kompetenz.
Das PERMA-Modell integriert damit hedonische und eudaimonische Elemente in einem einzigen Rahmen. Empirische Untersuchungen zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen den einzelnen Dimensionen und Indikatoren wie Lebenszufriedenheit, körperlicher Gesundheit und Arbeitszufriedenheit. Bemerkenswert ist, dass das Modell nicht nur positive Zustände vorhersagt, sondern auch als Prädiktor für geringere psychologische Belastung dient.
Was das Modell nicht leistet
Doch gerade die Eleganz des PERMA-Modells verdeckt einige Schwachstellen, die in der wissenschaftlichen Debatte zunehmend benannt werden. Eine systematische Analyse, publiziert im *Journal of Positive Psychology* (2023), identifizierte 117 eigenständige Kritikpunkte an der Positiven Psychologie insgesamt. Davon betreffen mehrere direkt das PERMA-Modell. So basiert ein Großteil der Evidenz auf Querschnittsstudien mit Selbstberichten – ein Design, das Korrelationen zeigt, aber keine Kausalität belegt. Ob die fünf Faktoren Wohlbefinden tatsächlich verursachen oder ob glückliche Menschen sie schlicht häufiger berichten, bleibt offen. Kritisiert wird außerdem eine kulturelle Voreingenommenheit: Die Auswahl der Dimensionen spiegelt westliche, individualistisch geprägte Werte wider und wurde nicht auf ihre Gültigkeit in kollektivistischen Gesellschaften hin entwickelt. Senta Brandt merkt in ihrer Kritik der Positiven Psychologie zudem an, dass die Grundannahme, negative Kognitionen ließen sich durch positive ersetzen, wissenschaftlich nicht hinreichend gestützt sei. All das bedeutet nicht, dass das Modell wertlos ist. Aber es mahnt zur Vorsicht vor einer allzu unkritischen Übernahme.
Was sich daraus lernen lässt
Was bleibt, ist ein nützlicher Kompass. Das PERMA-Modell bietet keine Glücksformel, aber eine Landkarte – eine Orientierung darüber, welche Lebensbereiche empirisch mit Wohlbefinden zusammenhängen. Die Selbstbestimmungstheorie von Ryan und Deci ergänzt diese Perspektive, indem sie drei psychologische Grundbedürfnisse benennt: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit. Wo diese Bedürfnisse erfüllt werden, steigen intrinsische Motivation und Lebenszufriedenheit. Wo sie frustriert werden, sinkt das Wohlbefinden – unabhängig von äußerem Wohlstand, wie das Easterlin-Paradox seit den 1970er Jahren nahelegt.
Wer sich vertieft mit den Bausteinen eines gelingenden Lebens beschäftigen möchte, findet im Glückskurs „Kind des Glücks" einen strukturierten Rahmen dafür. Der Kurs verbindet Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie und der Selbstbestimmungstheorie mit alltagsnahen Reflexionsübungen – nicht als Versprechen auf ewiges Glück, sondern als Einladung, die eigenen Quellen von Wohlbefinden bewusster wahrzunehmen.
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